Ber­na­det­te Williams

Jahr­gang: 1953

Ehren­amt­li­che Tätig­keit: Hil­fe im Englisch-Unterricht

Haupt­be­ruf: im Ruhestand

„The way to be hap­py is to make someo­ne hap­py“: Ehren­amt ame­ri­can way

„Miss B., Miss B.!“, von über­all schallt es über den Flur der Solin­ger Gesamt­schu­le an der Wup­per­stra­ße, wenn Ber­na­det­te Wil­liams ihre Run­den dreht. Freu­di­ge Kin­der und Jugend­li­che kom­men her­ge­lau­fen, umar­men die fröh­li­che Ame­ri­ka­ne­rin, die seit Früh­jahr 2012 als Nati­ve Spea­ker mit dem hilft, was sie am bes­ten kann: Eng­lisch spre­chen! Und gute Lau­ne ver­brei­ten, denn mit ihrer sym­pa­thi­schen Art zeigt Miss. B., wie die Kin­der sie lie­be­voll nen­nen, dass Ehren­amt selbst sprach­li­che Bar­rie­ren spie­lend leicht über­win­den kann.


Von der US Army zur Gesamt­schu­le – wenn Ehren­amt Unmög­li­ches mög­lich macht

„Wer hät­te das gedacht, dass ich jemals als Leh­re­rin arbei­te“, erzählt Ber­na­det­te Wil­liams schmun­zelnd. „Als Sozi­al­ar­bei­te­rin der US Army war ich immer mit Erwach­se­nen zusam­men, viel im Büro oder am Com­pu­ter. Und oft­mals dreh­ten sich mei­ne beruf­li­chen The­men um weni­ger hei­te­re Din­ge: den Krieg, die Reso­zia­li­sie­rung, Pro­ble­me in der Fami­lie. Da ist die Arbeit an der Gesamt­schu­le wirk­lich etwas kom­plett anderes!“

2011 zog die Ame­ri­ka­ne­rin gemein­sam mit ihrem Sohn und der Enke­lin von Chi­ca­go nach Solin­gen. Nach einem Deutsch­kurs an der VHS macht sie sich gleich im zwei­ten Jahr auf die Suche nach einer Auf­ga­be. Cha­ri­ty soll­te es sein, ganz gleich was! Und durch einen schö­nen Zufall such­te gera­de in die­ser Zeit die Gesamt­schu­le an der Wup­per­stra­ße Unter­stüt­zung für den Eng­lisch­un­ter­richt. „Ich konn­te nicht so rich­tig glau­ben, dass ich „nur“ mit mei­ner Spra­che tat­säch­lich ehren­amt­lich hel­fen konn­te“, sagt Ber­na­det­te Wil­liams. Aber es funk­tio­nier­te und schon nach kur­zer Zeit wur­de aus der Sozi­al­hel­fe­rin aus dem fer­nen Ame­ri­ka Miss B., eine nicht mehr weg­zu­den­ken­de Unter­stüt­zung für die Kin­der, die weit mehr ist als eine ein­fa­che Nachhilfelehrerin.


Eng­lisch­un­ter­richt aus dem „ech­ten Leben“

Drei Tage die Woche arbei­tet Miss B. nun für drei bis vier Stun­den pro Tag in der Gesamt­schu­le, wo sie klei­ne­ren Grup­pen von Kin­dern nach dem Unter­richt in Eng­lisch hilft oder auch im Klas­sen­raum Dis­kus­sio­nen lei­tet. „In den älte­ren Klas­sen sind die Kin­der sehr inter­es­siert dar­an, wie es in Ame­ri­ka wirk­lich ist“, erzählt sie. Wie war das damals mit Mar­tin Luther King? Wie kommt Oba­ma bei den Kids in Ame­ri­ka an? Und was machen die Kin­der in Chi­ca­go nach der Schu­le? All die­se Fra­gen nimmt die Ame­ri­ka­ne­rin zum Anlass, ein Gespräch dar­aus zu ent­wi­ckeln, das sich ganz natür­lich ergibt und in dem die Kin­der schnell die Scheu ver­lie­ren, Eng­lisch zu spre­chen. „Es ist so erstaun­lich, wie schnell die Kin­der ver­ges­sen, dass sie über­haupt nicht in ihrer Mut­ter­spra­che spre­chen. Sie hören mir gebannt zu, stel­len inter­es­san­te Fra­gen und freu­en sich, wenn ich etwas aus dem „ech­ten Leben“ erzäh­le.“ Man merkt Miss B. an, wie sehr sie in ihrer Auf­ga­be auf­geht, wie sehr es sie ernst­haft freut, wenn die Kin­der Fort­schrit­te machen und ihr Eng­lisch ver­bes­sern. „Wenn ein Schü­ler oder eine Schü­le­rin eine gute Note geschrie­ben hat, dann brin­ge ich klei­ne Geschen­ke mit. Es sind wirk­lich nur Klei­nig­kei­ten, aber das spornt die Kin­der an und wir freu­en uns gemein­sam, wenn die Klas­sen­ar­beit gut aus­ge­fal­len ist.“


Mehr als nur ein Job – eine Lebensaufgabe!

„Ich habe den Kin­dern ein eng­li­sches Lied bei­gebracht“, erzählt mir Miss B. „Es heißt „The way to be hap­py is to make someo­ne hap­py“ und eigent­lich sagt die­ser Song auch alles über mei­ne ehren­amt­li­che Arbeit aus! Denn nicht nur ich hel­fe den Kin­dern, die Kin­dern hel­fen auch mir!“ Gera­de in den jün­ge­ren Klas­sen spricht sie immer wie­der auch ein wenig Deutsch mit den Kin­dern, denn die Scheu vor einer neu­en Spra­che ist bei den Fünft­kläss­lern oft noch groß. „Ich habe den Ein­druck, dass sie ganz schnell ihre Angst ver­lie­ren, eng­lisch zu spre­chen, wenn sie mer­ken, dass auch ich ihre Sprach nicht so gut kann. Ich bit­te die Kin­der dann ein­fach, mich immer wie­der zu kor­ri­gie­ren und mache das umge­kehrt bei ihnen genau­so. Der Lern­ef­fekt ist wirk­lich klas­se und alle ler­nen mit Freu­de und Leich­tig­keit.“
Eine Freu­de und Gemein­sam­keit, die auch über die Schu­le hin­aus­geht. „Wenn ich in der Stadt unter­wegs bin, dann tref­fe ich über­all Schü­ler und ihre Eltern. Hal­te mal hier, mal dort ein Schwätz­chen und mer­ke dann immer wie­der, dass ich ein­fach dazu­ge­hö­re!“
Solin­gen sei ihre neue Hei­mat, sagt sie wei­ter. Eine Stadt, in der sie so herz­lich auf­ge­nom­men wur­de und der sie nun ein wenig zurück­ge­ben möch­te. „Ich habe vie­le Jah­re gear­bei­tet, habe nun viel Zeit, die ich natür­lich auch ganz anders nut­zen könn­te: Ich lie­be Shop­ping, mache Fit­ness und koche lei­den­schaft­lich ger­ne vege­ta­risch“, erzählt Ber­na­det­te Wil­liams ein wenig nach­denk­lich. „Aber war­um soll­te ich das allei­ne tun? Und andau­ernd? Ist es nicht viel schö­ner, im Hof­gar­ten vie­len lie­ben Gesich­tern zu begeg­nen, gemein­sam mit Freun­den zu kochen und ein­fach ein Stück von dem zurück­zu­ge­ben, von der Freund­lich­keit, die einem bis­her begeg­net ist?“ Mit dem Leuch­ten in ihren Augen wird ganz schnell klar, dass Ehren­amt für Ber­na­det­te Wil­liams weit mehr ist, als rei­ne, spo­ra­di­sche Cha­ri­ty. „Die Auf­ga­be zeig­te mir Sei­ten, die ich an mir noch gar nicht kann­te! Sie brach­te mir vie­le neue Freun­de, wun­der­schö­ne Momen­te und macht mich schlicht­weg durch und durch happy!“


Ber­na­det­te Wil­liams ist lei­der 2019 ver­stor­ben. Die Kin­der und die Schu­le ver­mis­sen sie sehr. Unse­re Gedan­ken sind bei ihrer Familie.