Seniorenheim Josef Haus

Im Seniorenheim Josef Haus spreche ich mit Renate Eigler, Leitung des Sozialen Dienstes und Ehrenamtskoordinatorin, über das derzeitige Fehlen der Ehrenamtler wegen der Corona-Kontaktsperre.

Sie sagt gleich zu Beginn: „Ich bin so froh, wenn die Ehrenamtler wieder kommen und uns unterstützen können. Sie fehlen uns sehr. Unsere Betreuungsassistenten sind ständig im Einsatz; sie können jedoch nicht noch zusätzlich die ehrenamtlichen Arbeiten übernehmen.“

Auf meine Frage, wo die Ehrenamtlichen am meisten vermisst werden, fallen ihr gleich mehrere Antworten ein:

„Gerade unsere an Demenz erkrankten Bewohner haben ja meist Probleme, ihren Alltag selbstständig zu gestalten. Sie freuen sich immer, wenn ein Ehrenamtler kommt, der nur für sie da ist, der mit ihnen spielt oder singt, ihnen vorliest oder zuhört oder einmal einen Spaziergang macht. Dies ist eine wichtige Abwechslung in ihrem Leben.

Auch die körperlich beeinträchtigten Senioren warten gerade jetzt bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein sehnlichst auf eine Person, die ein wenig Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang mitbringt.

Die Aufgaben für unser Personal sind noch vielfältiger geworden durch das Fehlen unserer Ehrenamtlichen, doch die zeitlichen Ressourcen sind begrenzt.

Gerade diese Zeit aber, die ein Ehrenamtler mitbringt, um sie mit dem Senior zu verbringen und auf ihn speziell einzugehen, ist so wichtig für unsere Bewohner.“

Renate Eigler sagt weiter: „Auch die Gruppenangebote von unseren Ehrenamtlern sind zurzeit nicht durchführbar. Ein Gesprächskreis, der sich beispielsweise mit theologischen Themen und evangelischem Liedgut beschäftigt, ist wegen Fehlens der ehrenamtlichen Gesprächsleitung nicht möglich und wird von den Teilnehmern schmerzlich vermisst!“

Doch auch die Ehrenamtlichen vermissen „ihre“ Senioren sehr. Viele Ehrenamtliche betreuen – oftmals über längere Zeit – eine einzelne Person, besuchen diese mehrmals im Monat und erfahren dabei immer mehr aus deren Leben. Und auch der Betreute lernt „seinen“ Ehrenamtler immer besser kennen. Es wird ein vertrautes Verhältnis aufgebaut, und beide Seiten freuen sich auf die Begegnungen. Deshalb versuchen in diesen Tagen viele Ehrenamtliche, zumindest telefonisch, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Auch Hildegard Lichte – sie gehört seit sieben Jahren zu den ehrenamtlich Aktiven im Josef Haus – kennt daher einige der Bewohner recht gut. Weil ihr die persönlichen Gespräche und Begegnungen fehlten, hatte sie sich entschlossen, telefonisch Kontakte herzustellen, und so hat sie nun drei „Telefon Schützlinge“ unter den Senioren.

Bei ihren Telefonaten erfragt sie auch etwaige zusätzliche Bedürfnisse der Damen (z.B. Zeitschriften oder einen „Lieblingsduft“), besorgt das Gewünschte und gibt es vor der Tür des Seniorenheims ab. Leider kann sie es nicht persönlich übergeben.

Umso mehr freuen sich alle auf ein persönliches Wiedersehen.

Möge dies bald der Fall sein!

Bericht von Annette Mjartan – April 2020