Busch-Stiftung Seniorenhilfe

Die Kontaktbeschränkungen treffen in besonderem Maße Ehrenamtler und die von ihnen betreuten Personen. Schon seit mehreren Wochen sind sie gezwungen, „sich voneinander fernzuhalten“. Unsere Partner, Kitas, Schulen, Kliniken und Museen, haben geschlossen, in Seniorenheimen besteht Besuchsverbot.

Auf der einen Seite sind hier die betreuten Personen, die oft im Laufe der Betreuung zu dem Ehrenamtler eine Beziehung aufgebaut haben. Da ist jemand, der Zeit hat und ihnen diese schenkt, der ihnen zuhört, der sich mit ihnen beschäftigt und auf sie eingeht. Das ist wichtig für sie, und sie genießen diese Stunden, die ganz ihnen gewidmet sind.

Auf der anderen Seite steht der Ehrenamtler, dem es viel Freude bereitet, für die Senioren da zu sein und ihnen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Beispielsweise der Ehrenamtler Horst Genn. Er hat beruflich über viele Jahre Erfahrungen im Umgang mit Senioren und deren Alltagsproblemen und gesundheitlichen Einschränkungen gesammelt und weiß bestens damit umzugehen. Seine Arbeit war seine Passion, und so war es für ihn klar, dass er seine Erfahrungen im Ruhestand ehrenamtlich einsetzen würde.

Da ist z.B. die „Männerrunde“ in der Busch-Stiftung, die er seit längerem einmal wöchentlich etwa 2 Stunden durch den Alltag begleitet; die Teilnehmer hat er nun schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Die Frühstücksrunde fehlt ihm wohl ebenso wie sie den Senioren fehlt.

In dieser Runde sitzen alle vertraut zusammen, es werden Anekdoten und Witze erzählt, aber auch wichtige Geschehnisse der Welt diskutiert oder spannende Fußballspiele besprochen. Dabei frühstücken alle an dem liebevoll gedeckten Tisch. Es gibt Eier, Kaffee, Brötchen oder Semmeln, Wurst und Käse und noch mehr Leckereien.

Ob die Frau von Herrn S. nach ihrem Sturz sich im Krankenhaus nur langsam wieder erholt, oder ob der kleine Enkel von Herrn W. beginnt zu sprechen; all dies weiß Horst Genn, denn seine „Schützlinge“ vertrauen ihm Vieles an; sie spüren sein echtes Interesse an ihnen und ihrem Leben.

Er weiß um die Schwächen und Stärken seiner Herren und bezieht dies in seine Planungen bei der Gestaltung der Treffen ein.

So spricht er den Senior L. immer wieder gesondert an und bringt ihn in die Unterhaltung zurück, weil dieser sonst dazu neigt, sich etwas „in sich zurückzuziehen“. Oder er bittet Herrn M, der so gerne singt, die anderen Herren zu animieren, in ein Lied mit einzustimmen.

Dem Ehrenamtler macht es große Freude mitzuerleben, wie sich die Senioren in der Runde langsam öffnen, die Unterhaltung genießen und einfach einmal 2 Stunden die Mühsal und die Schmerzen des Alters vergessen können.

Horst Genn bereitet sich auf diese Stunden mental immer gut vor, und wenn er sieht, dass eine gut gelaunte Männerrunde mit ihm am Tisch sitzt und die gemeinsame Zeit genießt,  dann hat er ein gutes Gefühl bei dem Gedanken, maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass die Teilnehmer sich rundum wohl fühlen und gerne wiederkommen.

Ebenfalls bei der Busch-Stiftung tätig ist Monika Everschor. Vor ca. einem halben Jahr hat SoFrei sie dorthin vermittelt. Sie strahlt nachgerade, wenn sie über ihre Tätigkeit dort spricht, denn sie fühlt sich überaus wohl in ihrem Tätigkeitsbereich und vermisst ihre Zusammenkünfte mit den Senioren sehr.

Sie macht mit den Senioren u.a. Sitzgymnastik und wenn sie dann den Luftballon mit ins Spiel bringt und alle Teilnehmer mit viel Spaß und Elan mit diesem spielen, ist sie glücklich, dass sie dazu beitragen kann, den Senioren eine kurze unbeschwerte Zeit zu ermöglichen.

Aber auch sie selbst nimmt eine Menge mit aus diesen Begegnungen; ihr Selbstbewusstsein ist erstarkt, und es ist ein wunderbares Gefühl für sie, die Dankbarkeit und Freude zu spüren, die die Senioren empfinden und vermitteln, wenn sie zusammen eine Stunde Spaß und Unterhaltung genossen haben.

Frau Everschor und Herr Genn vermissen ihre Senioren sehr. Deshalb entschied sich die Busch-Stiftung Seniorenhilfe u.a. dafür, den Kontakt so gut wie möglich zumindest telefonisch weiterzuführen, um sich nach dem Befinden oder etwaigen Neuigkeiten zu erkundigen.

Und noch ein ganz wichtiger Aspekt, auf den Gabriele Baumbach, Leiterin der Busch-Stiftung verweist: „ Die Angehörigen bzw. pflegenden Personen „unserer Senioren“ vermissen die Erholungsinseln, die ihnen die Busch-Stiftung, durch ihre Angebote bezüglich der Senioren-Betreuung ermöglicht, überaus.  Denn die ganze Woche sind sie praktisch rund um die Uhr für die zu betreuende Person da und darum sind die Stunden, die ihnen einmal ganz allein gehören, weil die Betreuung durch die Stiftung übernommen wurde, so kostbar. In dieser Zeit versuchen sie, einmal etwas für sich zu tun und neue Kraft für die oftmals so anstrengende Pflegearbeit zu schöpfen“.

Darum der Wunsch aller:

Die Treffen wieder stattfinden zu lassen, sich zum Reden, Spielen, Lachen…
wie gewohnt treffen und eine kurze unbeschwerte Zeit miteinander verbringen zu können.

Möge der Wunsch – hoffentlich bald – in Erfüllung gehen.

Bericht von Annette Mjartan – April 2020