Lisa Thiel

Lisa Thiel

Name: Lisa Thiel
Jahrgang: 1994
ehrenamtliche Tätigkeit: Familienpatin
Hauptberuf: Studentin

Ehrenamt – ein Stück Familienglück

Ein quirliger Hund begrüßt uns fröhlich an der Haustür und begleitet sein Frauchen schwanzwedelnd zum großen Esstisch, an dem Lisa Thiel die Stühle zurecht rückt. Frische Kirschen stehen auf dem Tisch und der Blick in den herrlich grünen Garten macht neugierig, das Haus und die Familie kennenzulernen. Ein gutes Stichwort, denn gerade die Familie ist der jungen Frau wichtig und hat sie dazu bewegt sich ehrenamtlich zu engagieren. Die 20-Jährige erzählte uns von ihrer Aufgabe als Familienpatin, von ihrer Freundschaft zu einem kleinen Mädchen und davon, wie sie Uni, Familie und Ehrenamt unter einen Hut bekommt.

Einmal Ehrenamt flexibel, bitte!

Schon während der Schulzeit spielte Lisa Thiel mit dem Gedanken, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch zwischen vielen Schulstunden, Klausuren und dem bisschen Freizeit blieb kaum Zeit für eine freiwillige Tätigkeit. Da kam die kleine Pause zwischen Abi und Beginn des Studiums gerade recht, den bis dahin schlummernden Wunsch wahr werden zu lassen. „Ich hatte viele Ideen, was ich ehrenamtlich machen könnte“, erzählt die junge Frau. „Etwas mit Familien, Tieren oder eine kulturelle Aufgabe hätte mir Spaß gemacht.“ Über Google kam die 20-Jährige auf die Website der Solinger Freiwilligen Agentur und nahm gleich den nächsten Beratungstermin wahr. „Im gemeinsamen Gespräch mit Herrn Häußler wurden wir uns dann schnell einig, dass die Familienpatenschaft genau das Richtige für mich ist“, sagt Lisa Thiel. „Ich helfe Familien in einer Notlage und bin dabei auch noch richtig flexibel – ideal, wenn es an der Uni mal stressig wird!“ Seit März dieses Jahres besucht die Solingerin fast jeden Samstag eine alleinerziehende Mutter und ihre 10-jährige Tochter und unternimmt etwas Schönes mit dem Kind. „Die Mutter und ich stimmen uns wöchentlich ab, wann und wo wir uns treffen. Das ist richtig prima, denn selbst, wenn ich am Wochenende mal keine Zeit habe, dann machen wir einfach etwas anderes aus.“

„Einfach ausprobieren, wird schon schief gehen!“

Schwimmen, Eis essen, Bücher anschauen – die Samstage von Lisa Thiel sind gut befüllt mit allem, was beiden Mädels Spaß macht. „Ich wusste anfangs nicht so recht, was da auf mich zukommt, was ich mit dem Mädchen machen soll und wie viel Zeit ich mit der Mutter verbringen werde“, erzählt die junge Frau. Aber nach einem Gespräch mit ihrer persönlichen Ansprechpartnerin von der Caritas, die das Projekt der Familienpaten ausrichtet, waren alle anfänglichen Sorgen schnell vergessen. „Es ist schön, jemanden zu haben, an den ich mich wenden kann, wenn ich mit der Familie nicht mehr weiterkomme oder es Probleme gibt. Bisher läuft aber alles super und ich freue mich umso mehr, dass ich der Mutter und dem Mädchen eine Hilfe bin.“

Wenn aus Familienpaten große Schwestern werden

„Ich weiß nicht viel über die Vergangenheit von Mutter und Kind“, erklärt Lisa Thiel. „Aber mir ist bewusst, dass der Alltag nicht immer einfach ist für die beiden und dass es für das Mädchen klasse ist, zusammen mit mir alle täglichen Sorgen einfach mal zu vergessen.“ Da die Mutter gesundheitlich stark eingeschränkt ist, können sie und ihre Tochter unter der Woche wenig gemeinsam unternehmen. Da kommt Lisa Thiel genau richtig und sorgt gerne für ein paar Stunden in der Woche einfach mal für Abwechslung. „Ich glaube, es tut dem Mädchen wirklich gut, dass ich noch so jung bin. Viele Familienpaten sind schon älter und nehmen dann ganz automatisch eine andere Rolle ein. Ich bin gar nicht so sehr die fremde Frau, die der Familie in einer schwierigen Situation hilft, sondern vielmehr die große Schwester, der man sich anvertrauen und mit der man einfach jede Menge Spaß haben kann.“

Volleyball, Uni, Familie und Ehrenamt

In der Schule erzählte mir eine Mitschülerin einmal, dass sie sich ehrenamtlich engagierte – und dass, obwohl dieses Mädchen einen Jahrgang unter mir war und demnach bereits im sehr zeitaufwendigen G8-System“, erzählt die Solingerin. „Das hat mich wirklich beeindruckt und ich habe mich gefragt, wie das Mädchen das alles wohl unter einen Hut bekommt.“ Genau dies sei aus ihrer Sicht auch eines der  Vorurteile, mit denen das Ehrenamt zu kämpfen hat. „Man sieht an meinem Beispiel ganz gut, wie flexibel das Ehrenamt sein kann und dass so viele Dinge von ganz alleine laufen, wenn man sie erst einmal anpackt.“ Und selbst mit Studium und einem regelmäßigen Hobby klappt es prima: „Ich spiele seit vielen Jahren Volleyball und möchte es auf keinen Fall aufgeben. Gleichzeitig wird es in der Uni aber auch immer wieder Phasen geben, in denen es viel zu tun gibt. Und dann will ich natürlich auch noch so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen!“ Viele Wünsche, viel zu tun, aber alles machbar und auf jeden Fall lohnenswert, wie Lisa Thiel sagt: „Manchmal denke ich, dass ich in meiner Situation wirklich privilegiert bin: Ich bin gesund, studiere, was mir Spaß macht, habe Freizeit und habe eine tolle Familie. Es geht mir nah, wenn ich sehe, dass nicht alle Familien so ein Glück haben. Und genau deshalb engagiere ich mich ehrenamtlich – um ein Stück von meinem Glück weiterzugeben!“

Und dies mit viel Erfolg, denn das Leuchten in den Augen ihrer kleinen Ziehschwester gibt Lisa Thiel immer wieder die Bestätigung, wie schön das Ehrenamt ist!

Das Porträt stammt aus dem Jahr 2014.